TOP-Verpflichtung für ACL – Bereit zu neuen Taten

AC Lichtenfels bereit zu neuen Taten

Mit dem Oberliga-Aufstieg hat der AC Lichtenfels sein Ziel erreicht. Die höchste Klasse in Bayern ist 2017 die zweithöchste Liga in Deutschland. Die Vereinsverantwortlichen des ACL äußern sich zur vergangenen und zur kommenden Saison.

Der Puls war ganz oben, als am 10. Dezember, am letzten Kampftag der Ringer-Bayernliga, der AC Lichtenfels zum entscheidenden Kampf beim SC Isaria Unterföhring antrat. Die Spannung und vor allem die Anspannung stieg bei den ACL-Verantwortlichen, als die Oberbayern in Führung gingen und Christian Lurz durch seine Verletzung vier Punkte abgab. Reicht der Vorsprung aus dem 15:9-Vorrundensieg?, lautete die Frage. Er reichte. Die 12:14-Niederlage war gleichbedeutend mit der Bayernliga-Meisterschaft – der Rest war nur noch Jubel im ACL-Lager.

Nach der etwas enttäuschenden Saison 2015 mit Rang 2 und dem verpassten Aufstieg haben die Lichtenfelser in der vergangenen Saison ihr selbst gestecktes Ziel erreicht – die Oberliga.

Acht Wochen nach der Titelentscheidung ist die Euphorie bei den Verantwortlichen der Realität gewichen. Die Weichen werden bereits für die im Herbst beginnende Saison gestellt. Vertragsverhandlungen, Etataufstellung, Sponsorenakquise, Renovierungsarbeiten – das alles steht bei den ehrenamtlichen Vorsitzenden Oliver Dürr und Stefan Mehl sowie dem Mannschaftsführer Heiko Scherer auf dem Programm.

Im Rückblick war der breitere Kader ausschlaggebend für den Titelgewinn. „Alle Ringer haben ihr Soll erfüllt und zur überragenden Saison beigetragen“, sagt Scherer, der keinen Ringer herausheben will. „Die Bilanz der einzelnen Ringer sagt schon viel aus“, sagt Stefan Mehl, Zweiter Vorsitzender. Als völlig verdient bezeichnete Scherer die Meisterschaft und  lobte den tollen Zusammenhalt im Team. „Glücklicherweise haben wir  in der abgelaufenen Runde keine schwerwiegenden Verletzungen gehabt. Da wurden wir in den Jahren zuvor sehr gebeutelt.  Das merkte man schon“, fügte Scherer an.

Toller Zusammenhalt

Absolut positiv sei der Zusammenhalt der Mannschaft deutlich geworden, dass es „kein Murren von einzelnen Ringern gegeben hatte, wenn einer mal aus taktischen Gründen in der zweiten Mannschaft antreten musste“, bemerkte Mehl und erwähnte vor allem die auf den Ausländerpositionen ringenden Rumen Savchev und Krum Chuchorov.  Alle  hätten ihr Ego dem Mannschaftserfolg untergeordnet. 

„Vor allem in den oberen Gewichtsklassen hat sich der breitere Kader ausgezahlt. Wir hatten größere taktische Möglichkeiten. Und in den leichten Klassen hatten dann ja noch  Nachwuchsringer Dominik Sohn  wertvolle Siege geholt,   Leon Raps ist noch  einmal eingesprungen – die breite Basis hat sich da positiv ausgewirkt“, lobte Vorsitzender Oliver Dürr. Der Clou war dann noch  der einmalige Einsatz von ACL-Ikone Steffen Hartan im Schwergewichtskampf    gegen Unterföhring.

Schwarze Zahlen

Vorstände

Das sportliche Fazit fiel rundum positiv aus, aber auch unter der  wirtschaftlichen  Bilanz   standen   schwarze Zahlen.  „Mussten wir in den Jahren zuvor noch Altlasten abtragen, so waren wir 2016 in der Lage, Sachen anzupacken, für die bisher das Geld fehlte“,  sagte Mehl und zählte etwa  die Renovierung der Hausmeisterwohnung, Investitionen  in die Halle (Gastherme). „Das sind Sachen, die wir uns wieder erlauben können. Es stehen aber noch weitere Dinge an der Immobilie an, wie die Duschen, die  mal wieder  einer Auffrischung bedürfen“, so der  Zweite Vorsitzende weiter.

Die Weichen für die Zukunft  sind gestellt. So kamen zur neuen Saison einige Sponsoren neu dazu und die bisherigen hielten dem ACL fast durchweg die Treue. „Es ist wie überall,  es wäre schön, wenn  es eine breitere Basis gäbe. Wir wollen aber nicht unzufrieden sein. Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Dürr.  Investitionsbedarf sieht  der Vorsitzende noch bei der Bar sowie im Jugendzimmer der AC-Halle.

„Wir  wollen den Verein auf gesunde Beine stellen, so dass er nicht nur die nächsten ein, zwei Jahre überlebt, sondern  sein 100-jähriges Bestehen erlebt und darüberhinaus  bestehen bleibt“, gibt Mehl die Marschroute für die Vereinsführung an,  damit   die  Nachfolger   im Vorstand  einmal  nicht Jahre der Konsolidierung    bewältigen müssen, ehe sie gestalten können.

Positiv fällt auch die Sicht auf die Zuschauerzahlen aus. „So viele Fans wie gegen Unterföhring in der der (raus da doppelt) Halle waren, das hat mancher Bundesligist nicht“, sagt  Dürr, gießt aber ein wenig Wasser in den Wein. „So schön und so deutlich  die Siege in der Bayernliga auch waren,  manchmal war es  fast ein wenig langweilig, weil die Spannung fehlte“.  In der Oberliga erwartet Dürr einen deutlichen Zuwachse, zumal hier  die Derbys  gegen  Bindlach, Schonungen, Nürnberg und Burgebrach  sowie  der Klassiker gegen Hof  anstehen. „Die  bringen halt auch Fans mit. Aus Berchtesgaden kam keiner nach Lichtenfels“, bemerkt Mehl. 

Lücke in der Nachwuchsarbeit

Die Halle als Zuschauer  füllen   sicher auch künftig die ACL-Nachwuchsringer mit ihren Eltern. Rund 25-30 Kinder kommen derzeit zum Nachwuchstraining.  Werbeaktionen wie Grundschultage, Kinderfasching oder Sporttage des   Kreisjugendrings haben sich ausgewirkt.  Doch in der Jugend klafft eine Lücke,  da man in den acht Jahren in der Bundesliga in diesem Bereich geschlampt hat und  die Nachwuchswerbung vernachlässigt hat. „Diese Lücke lässt sich nicht so einfach schließen. Die werden wir noch einige Jahre  bemerken“, so Mehl.  Umso mehr bedauern  die Verantwortlichen, dass das Eigengewächs Tobias Schütz   nach über 20 Jahren für den ACL die Ringerschuhe an den Nagel gehängt hat.  Der 31-jährige Physiotherapeut   wurde jüngst Vater und  will sich nun mehr um Familie und Beruf kümmern. „Tobias und der Bulgare Mario Mihaylov  sind  aktuell die einzigen, die den Verein verlassen werden. Einzelne Gespräche werden aber noch ,  so Mannschaftsführer Scherer. erfolgen”

Achim Thumshirn wird neu ACLer

 Aufgrund der Beschränkung auf zwei Ausländer  setze man verstärkt auf junge deutsche Ringer, sagt Mehl. Und Scherer hat auch schon einen  Neuen an der Angel. Mit Achim Thumshirn  schließt sich ein 18-jähriges Top-Talent dem ACL an. Der angehende Polizist wird vom Spitzensportprogramm  der bayerischen Polizei gefördert und steht im erweiterten Kader der Nationalmannschaft. 2015 wurde er Deutscher Meister bei der A-Jugend.  Thumshirn kommt vom Bayernliga-Absteiger ASV Neumarkt und soll in den  Gewichtsklassen 75 und der neu gebildeten 80 Kilo Klasse im griechisch-römischen Stil auf die Matte. „An ihm waren auch andere  Vereine dran“, freut sich Scherer über die Neuverpflichtung, der voll ins ACL-Konzept passt und in Lichtenfels  unter dem weiter topmotivierten Cheftrainer Ali Hadidi eine gute Förderung erfahren wird.

An weiteren   Zugängen  vor allem für die schwereren Klassen  sei man dran, so Scherer.   Wenn man die bekomme, die man haben will, dann „können wir im oberen Drittel der Oberliga mitringen“, sagt der Mannschaftsführer, der in der kommenden Saison von Daniel Luptowicz Unterstützung erfährt.

Ein Wermutstropfen  trübt allerdings die Euphorie beim ACL. Die zweite Mannschaft stieg  von der Gruppenoberliga in die unterste Klasse ab und wird  somit in der Gruppenliga antreten müssen.

 

Text + Bild:   Udo Schilling