Lichtenfelser Ringer-Fans sollen wieder zum ACL pilgern

Der AC Lichtenfels startet in einer Woche in die Oberliga-Saison. Die Anhänger dürfen sich gleich auf zwei Frankenduelle in der AC-Halle freuen.
 
Eine Woche noch, dann beginnt die Ringersaison für die Männer des Athleten-Clubs Lichtenfels in der Oberliga Nord. Am Samstag, 8. September, kommt es in Lichtenfels gleich zum oberfränkischen Duell mit dem TSV Burgebrach. Eine Woche später gastiert zum Korbmarkt die zweite Staffel des Traditionsclubs SV Johannis Nürnberg in der AC-Halle.

„Wir wollen unsere Fans gleich auf den Geschmack bringen, wieder zum Ringen in die AC-Halle zu kommen. Bewusst haben wir uns entschieden, auch am Korbmarktsamstag einen Heimkampf auszutragen. Hier können Interessierte zu uns kommen und hinterher noch das Flair auf dem Korbmarkt genießen“, macht Vorsitzende Britta Beier Werbung für die Heimkämpfe. Die 38-jährige Lichtenfelserin steht dem Traditionsklub, der in drei Jahren sein 100-jähriges Bestehen feiern kann, seit November vor. Die Wirtschaftsingenieurin will nach der finanziellen Konsolidierung an der Spitze der Oberliga mitringen und den Sport wieder ins rechte Licht rücken.

Sport wieder im Vordergrund

Der Sportgedanke war im vergangenen Jahr etwas in den Hintergrund gedrängt worden, als aus der Oberliga kein Team den Aufstiegsplatz einnehmen wollte. Die Bundesliga ist vielen Vereinen zu aufwändig und teuer. Nach vielen dubiosen Ergebnissen musste der ASC Bindlach hinter der nicht aufstiegspflichtigen zweiten Mannschaft von Johannis Nürnberg als Vizemeister in den „sauren Apfel“ des Aufstiegs beißen. Die Folge war, dass die Bindlacher aus finanziellen und personellen Gründen Ende Juni ihr Team aus der dreigeteilten Bundesliga in die Bayernliga zurückzogen.

Das Thema Aufstiegspflicht brodelt weiter zwischen dem Deutschen Ringer-Bund (DRB) und den Landesverbänden, die sich ein Aufstiegsrecht und keine -pflicht wünschen. Aus diesen seit Jahren andauernden Querelen haben sich bereits fünf Vereine verabschiedet, die sich im vergangenen Jahr in der Deutschen Ringer-Liga außerhalb des DRB nun selbst organisieren.

Zwei Oberliga-Staffeln

Der AC Lichtenfels zog bereits 2014 die Reißleine und zog sich aus der Bundesliga zurück. Unter dem Dach des Bayerischen Ringer-Verbandes (BRV) gibt es nun in dieser Saison zwei Oberliga-Gruppen, Nord und Süd. Nach 14 Kämpfen werden dann die beiden Gruppensieger in Hin- und Rückkampf den bayerischen Mannschaftsmeister auskämpfen, der – nach derzeitigem Stand – in die Bundesliga aufsteigen muss. Der DRB plant jedoch für 2019 wieder eine 2. Liga einzuführen, so dass die sportliche Herausforderung im Aufstiegsfall nicht ganz so groß wäre.

Aufstieg in die 2. Liga durchaus vorstellbar

Die ACL-Vorsitzende Beier kann sich den Aufstieg in eine mögliche 2. Liga durchaus vorstellen. „Wir würden dann sehen, wie eine Mannschaft aussehen müsste, um eine Liga höher zu bestehen. Das lassen wir auf uns zukommen.“ Beier kam als Fan und Fanclubmitglied zum ACL. Vor allem ihre wirtschaftliche Expertise will Beier zusammen mit ihrem Stellvertreter Stefan Mehl in die Vereinsführung einbringen. Für das Sportliche sind der dritte Vorsitzende Ralf Hirle sowie die Mannschaftsführer Heiko Scherer, Daniel Luptowicz und Philipp Schütz verantwortlich.

Vom Kader der vergangenen Saison, als 22 Ringer im Oberliga-Team eingesetzt wurden, fallen die beiden Polen Andrzej Sokalski (80 kg) und Lukasz Banak (130 kg) weg. „Sie haben zwar noch ihren Pass bei uns, sollen aber nur im Notfall eingesetzt werden“, sagt Scherer. Nicht mehr auf der Matte wird Venelin Venkov für den ACL stehen, zumindest nicht mehr als Ringer. Der Bulgare wechselte an den Mattenrand und übernahm das Traineramt von Ali Hadidi, der den Cheftrainerposten abgegeben hat. Der 55-Jährige trainierte den ACL seit 1993 mit kurzen Unterbrechungen, von 2008 bis 2014 in der Bundesliga.

Venkov in neuer Rolle

Venkov stapelt am Rande des Trainingslagers in der AC-Halle zunächst sportlich tief, peilt erst einmal den Klassenerhalt an. Verständlicherweise, denn als Trainerneuling kommen auf den 36-jährigen früheren Vize-Europameister ganz andere Aufgaben zu. „Bisher musste ich nur an mich und meinen Kampf denken, jetzt muss ich für alle mitdenken“, sagt der Greco-Spezialist, der sich aus Altersgründen vom aktiven Sport zurückzog. „Ich denke nicht, dass ich zu alt bin, aber meine Frau hat gesagt, dass ich ein bisschen zu alt bin, um auf der Matte rumzuturnen“, meint Venkov und lacht. „Mein Kopf und mein Herz wollen noch, aber mein Körper sagt nach 30 Jahren im Ringkampfsport, lass es“, fügt er, durch und durch ein Ringer, an. Venkov nahm an den Olympischen Spielen 2008 in Peking teil und war zehn Jahre in der Bundesliga für verschiedene Vereine aktiv. Seit 2014 lebt und arbeitet er in Lichtenfels.

Neuzugang aus Ungarn

Auf der Matte ersetzt ihn der Neuzugang Joszef Andrasi in der 57-Kilo-Greco-Klasse. Der Ungar kommt aus der österreichischen Liga und kämpfte davor unter anderem beim TSV Aichach. Viel erwarten die ACL-Verantwortlichen von Lukas Tomaszek. Der Junior kommt vom KSV Bamberg, wurde heuer bayerischer Vizemeister und belegte Rang 5 bei der deutschen Meisterschaft. „Er ist einer der Trainingsfleißigsten und will bei uns den nächsten Schritt machen“, sagt Beier. Eher im freien Stil beheimatet, wird Tomaszek eventuell auch griechisch-römisch in den Gewichtsklassen 71 und 75 Kilo eingesetzt. „Es ist seine erste Saison auf diesem Level und in dieser Gewichtsklasse. Ein Talent für die Zukunft“, schwärmt Scherer vom oberfränkischen Neuzugang. „Lukas passt in unser Konzept, mit jungen Ringern aus der Region etwas aufzubauen, zumal in Bamberg nicht mehr viel passiert“, fügt Beier an.

Drei Neue für die „Zweite“

Neben diesen beiden kommen drei weitere Neue zum ACL. David Koschunow (KSV Bamberg) Kai Kunze und Artem Schapovalov (beide bisher vereinslos) sind für die zweite Mannschaft eingeplant.

Aushängeschild des Vereins bleibt Hannes Wagner. Der amtierende deutsche Meister weilt nach seinen vielen Lehrgängen für den DRB und der Teilnahme am Grand Prix in Dortmund noch in Urlaub, wird – so versichert Luptowicz – „topfit zum Saisonstart antreten“.

Leistungsträger die gleichen

Für Siege sollen neben Wagner noch Teamkapitän Christoph Meixner, Rumen Savchev, Achim Thumshirn, die Brüder Christian und Johannes Lurz sowie Lukas Tomaszek sorgen. Mit einem großen Unterbau von 15 Ringern für die zweite Mannschaft mit Trainer Philipp Schütz in der Gruppenliga will der ACL wieder zukunftsfähig werden.

„In der Zeit, als wir in der Bundesliga vertreten waren, wurde die Nachwuchsarbeit vernachlässigt. Dies rächt sich jetzt“, sagt die Vorsitzende Beier, die sich derzeit über ein gut besuchtes Bambini-Training unter der Führung von Holger Reinhard und dem früheren Bundesligaringer Tobias Schütz freut. „Nächstes Jahr soll wieder eine Jugendmannschaft gemeldet werden. In ein paar Jahren dürfte der ACL wieder einige Ringer nach oben rausbringen“, hofft Beier. Darauf freut sich auch Cheftrainer Venkov. Auf diese Jungen müsse er warten. „Wir haben keine Junioren“, klagt Venkov, der sein Minimalziel mit Rang 5 in der Oberliga festlegt. Wenn es besser läuft, habe er auch nichts dagegen.

Freier Eintritt bis 16 Jahre

Die Fans sollen wieder zahlreicher kommen. „Bis 16 Jahre ist der Eintritt nun frei“, will die Vorsitzende junge Zuschauer in die Halle locken. Die Anhänger dürfen sich auf zahlreiche Derbys freuen. Neben Burgebrach und Nürnberg steht auch der „Klassiker“ gegen Hof am 22. November auf dem Programm. Dann wollen die Ringer wieder ein „Hier regiert der ACL“ von den Rängen hören.

Der Kampfplan des AC Lichtenfels

Vorrunde Rückrunde Sa., 8. Sep. AC Lichtenfels – TSV Burgebrach Sa. 27. Okt. Sa., 15. Sep. AC Lichtenfels – Joh. Nürnberg II Sa., 3. Nov. Sa., 22. Sep. SC Oberölsbach – AC Lichtenfels Sa., 10. Nov. Sa., 29. Sep. AC Lichtenfels – AC Regensburg Sa., 17. Nov. Sa., 6. Okt. ASV Hof – AC Lichtenfels Sa., 22. Nov. Sa., 13. Okt. AC Lichtenfels – RSV Schonungen Sa., 1. Dez. Sa., 20. Okt. ATSV Kelheim – AC Lichtenfels Sa., 8. Dez. Die Kämpfe des AC Lichtenfels beginnen alle um 19.30 Uhr.

Der Oberliga-Kader des AC Lichtenfels

Joszef Andrasi (Ungarn, 57 kg, griechisch-römisch) Mario Petrov (61 kg, gr./FreistilKrum Chuchurov (Bulgarien, 66/71 kg, Freistil) Rumen Savchev (Bulgarien, 66/71 kg, griechisch-römisch) Dominik Sohn (66/75 kg, gr.-röm./Freistil) Christian Lurz (71/75 kg, gr.-röm./Freistil)Lukas Tomaszek (71/75 kg, Freistil) Johannes Lurz (75/80 kg, Freistil) Achim Thumshirn (75/80 kg, gr.-röm.) Hannes Wagner (86/98 kg, gr.-röm.) Christoph Meixner (98/130 kg, Freistil)Sebastian Reuther (130 kg, gr.-röm./Freistil)