Jetzt erst recht, heiß es beim AC Lichtenfels

Nach dem verpassten Aufstieg von der Bayern- in die Oberliga setzt der AC Lichtenfels neu an. Wir sprachen mit den Vorsitzenden Oliver Dürr und Stefan Mehl.

Der Plan war klar. Nach dem freiwilligen Rückzug aus der Bundesliga in die Bayernliga wollten die Ringer des AC Lichtenfels in der Saison 2015 gleich in die Oberliga aufsteigen. Die Rechnung hatten sie aber ohne den Wirt, sprich den TV Au/Hallertau, gemacht. Am Ende blieb die Ernüchterung über Rang 2. Warum es nichts wurde mit dem Aufstieg, warum es im zweiten Versuch klappen sollte und über die Zukunft des Traditionsklubs aus der Deutschen Korbstadt unterhielten wir uns mit dem Ersten und Zweiten Vorsitzenden, Oliver Dürr und Stefan Mehl.

Wie fällt Ihr sportliches Fazitder vergangenen Saison aus?
Stefan Mehl: Der verpasste Aufstieg in die Oberliga war schon eine Enttäuschung. Die Erwartung war schon da, dass wir aufsteigen. Dass das nicht so einfach wird, wie sich einige gedacht hatten, das sei mal dahingestellt. Trotzdem waren wir enttäuscht, dass es nicht geklappt hat. Wir haben uns dann zusammengesetzt und uns selbstkritisch gefragt: Was ist unser Anteil daran? Es war ja nicht nur so, dass es mit Au einen überraschend starken Gegner gegeben hat, sondern es waren auch Faktoren, die wir uns selbst auf die Fahnen schreiben müssen.
Oliver Dürr: Au hatte einen entscheidenden Vorteil. Die Auer bekamen einen Flüchtling aus Afghanistan, der immer vier Punkte eingefahren hat. Ohne ihn hätten sie wohl den ein oder anderen Kampf noch verloren.

Und wo haben Sie Fehler gemacht?
Dürr: Fakt ist – wir hatten viel Verletzungspech. So haben wir etwa in der 86-Kilo-Freistil-Klasse Christian Merkel eingeplant und als Backup Sergej Einik. Merkel hat sich im zweiten Kampf verletzt und Einik fiel dann nach seinem ersten Einsatz verletzt aus. Da haben wir dann Ringer aus der zweiten Mannschaft einsetzen müssen, die chancenlos waren und wir stets vier Punkte abgegeben haben. Das ist bei diesem Reglement nur schwer aufzuholen.
Mehl: Diese extreme Verletzungsserie, die wir vor ein paar Jahren schon einmal in der Bundesliga hatten, hat in unserem ersten Bayernligajahr sicher eine wesentliche Rolle gespielt. So war der Kampf in Au lange knapp. Bis zum Duell von Tobias Schütz. Hier wurde der Gegner wohl unterschätzt. Eine Kopfsache, wenn man auf die Matte geht und denkt, man hat schon gewonnen. Der Kampf war typisch. Davon hatten wir drei oder vier. So verlor auch Venelin Venkov einmal nach einer klaren Führung auf Schultern. Solche individuellen Fehler haben mit der Verletzungsmisere dazu geführt, dass zwei Auswärtskämpfe – in Au und Unterföhrling – verloren wurden, die man nicht hätte verlieren müssen. Das waren die entscheidenden Begegnungen. Beim Rückkampf bei uns war Au klar besser.
Dürr: In Unterföhring kam ja noch die Problematik mit dem Schiedsrichter dazu, der einen Kopfstoß von Tobias Schütz pfeift – bei einem Hüftangriff, wo kein Kopfstoß entstehen kann.
Mehl: Selbst der gegnerische Trainer sprach danach von einer sehr harten Entscheidung. Und nicht nur, dass wir diesen Kampf von Schütz verloren haben, war die Entscheidung ja eine doppelte Schwächung, da er uns eine Woche danach gegen Au wegen der folgenden Sperre gefehlt hat. Sehr ärgerlich war, dass in Unterföhring ein Mattenleiter im Einsatz war, der nur wenige Kilometer von Au entfernt, in Freising, zu Hause ist. Da zeigte der Verband sehr wenig Fingerspitzengefühl. Wir haben danach den Verband gebeten, diesen Mattenleiter nicht mehr bei unseren Kämpfen einzusetzen, da wir den Eindruck hatten, er ist uns gegenüber voreingenommen.
Dürr: Aus meiner Sicht waren es vier Faktoren, die dazu geführt haben, dass wir nicht aufgestiegen sind. Das war der Zufall, dass Au sich mit dem starken Afghanen verstärkt hat, die Verletzungsmisere, ein gewisses eigenes Unvermögen und ein paar sehr strittige Kampfrichterentscheidungen.
Mehl: Welcher der vier Faktoren wie zu gewichten ist, das ist Geschmacksache. Wir haben uns nach der Saison mit dem Trainerstab zusammengesetzt und die Gründe analysiert. Ich wollte auch wissen, warum wir so viele Verletzungen haben, will ein Gespür dafür bekommen, wie so eine Verletzungsserie entsteht. Wir haben in die Vergangenheit geschaut, wie und wo sich unsere Ringer verletzten. Klar, manche verletzen sich in ihrer Freizeit oder sonst wo, doch die Ringerverletzungen wollen wir uns genauer anschauen, ob es an der hohen Belastung von vielen Kämpfen Woche für Woche liegt. Das ist nur ein Punkt. Ein anderer ist, dass wir uns in der Breite besser aufstellen müssen, um auf Ausfälle besser reagieren zu können. Das ist ein Punkt, wo wir ansetzen.

Gibt es im Verein eine Jetzt-erst-recht-Mentalität, den Aufstieg in diesem Jahr zu schaffen?
Mehl: Ja, kann man schon sagen. Wir haben mit allen offen geredet. Woran liegt’s und haben wir alle das gleiche Ziel? Nicht dass der ein oder andere sagt, mit der Bayernliga bin ich zufrieden, da muss ich mich nicht so anstrengen, und die Zuschauer kommen trotzdem. Wir haben uns aber alle darauf geeinigt, wir wollen aufsteigen, und es muss das Ziel des Vereins sein, in der Oberliga zu ringen.
Dürr: Wir waren Jahrzehnte in der Oberliga. Die Bundesliga oder zweite Liga ist nicht erstrebenswert. Die Oberliga ist die höchste Amateurklasse und da gehören wir hin.

Wie wollen Sie dieses Ziel realisieren?
Mehl: Eines haben wir schon gesagt: breiter aufstellen. Jeder Ringer muss das Ziel mitragen und wissen, dass jeder einzelne Kampf wichtig ist in einem engen Mannschaftswettbewerb. Eines möchte ich aber betonen: In den letzten Jahren hatten wir nie einen so guten Teamgeist wie in der abgelaufenen Saison. Die Mannschaft ist sehr viel stärker zusammengewachsen, und wir fördern das auch bewusst. Das ist ein Teil des Vereins, und was den AC in der Vergangenheit ausgemacht hat. Das ist in den Bundesligajahren ein Stück weit verloren gegangen, weil natürlich viele Leute von außen nur zu den Kämpfen eingeflogen wurden. Es gab aber auch andere Gründe. Und jetzt – das haben alle festgestellt – ist wieder ein Teamgeist da; eine wichtige Grundlage.

Breiter aufstellen ist ein schönes Ziel. Aber Ringer wachsen ja nicht auf Bäumen. Woher nimmt man sie, wenn man sie nicht selber ausgebildet hat?
Dürr: Es gibt drei Möglichkeiten. Auf lange Sicht – drei bis fünf Jahre – wollen wir wieder einen Fokus auf die Jugendarbeit legen, verstärkt selbst ausbilden, junge Lichtenfelser und aus der Umgebung in die Mannschaft integrieren. Punkt 2 ist, dass man deutsche Ringer aus anderen Vereinen bekommt. Und als dritte Möglichkeit kann man die Suche aufs Ausland ausdehnen. Kurzfristig sind nur die beiden letzten Alternativen für uns auf der Suche nach Verstärkungen relevant.

Was direkt mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten des Vereins in Verbindung steht.
Mehl: Wir haben unsere Finanzen so weit in Ordnung gebracht, dass wir in der neuen Saison auf einem stabilen finanziellen Fundament aufsetzen können und damit in der Lage sind, eine Bayern- oder Oberliga finanziell zu stemmen. Klar ist, dass wir uns um unsere Sponsoren kümmern müssen. Die wollen auch für ihre Unterstützung einen Rückfluss in Form von Erfolg und Öffentlichkeit.

Wie ist es wirtschaftlich um den ACL bestellt?
Mehl: In den vergangenen Jahren sind für uns überraschend ein paar Altlasten hochgeploppt, die wir erst einmal bewältigen mussten. Das war ein guter mittlerer fünfstelliger Betrag.
Dürr: Das waren keine Sozialversicherungsbeiträge, sondern Umsatzsteuernachzahlungen oder die hohe Strafe für den Rückzug aus der Bundesliga an den Deutschen Ringer-Verband. Diese Baustellen mussten wir erst schließen.
Mehl: Da sind fünf, sechs Jahre alte Sachen aufgetaucht. Da war – das müssen wir zugeben – der Verein in der Vergangenheit mit dem Bundesligabetrieb einfach überfordert. Es waren zu wenige Leute, die das Ganze verantwortlich tragen mussten. Da hat man den Überblick verloren oder Sachen liegen gelassen, in der Hoffnung, dass sie sich von selbst erledigen. Nur – Dinge, die mit Verwaltungen zu tun haben, erledigen sich in der Regel nicht von allein. Das Finanzamt sitzt man nicht aus.

Haben die Fans den Rückzug in die Bayernliga mitgetragen?
Dürr: Der Zuspruch war sehr ordentlich. Man kann sagen, dass die Zuschauer – bis auf sehr wenige – den Schritt mitgegangen sind. Die Fans freuten sich über mehr regionale Ringer. Es sind schönere Kämpfe als in der Bundesliga, wo oft taktisch gerungen wird und nur auf die letzten Sekunden geschaut wird, wer die letzte Wertung macht. Es wird mit offenem Visier gekämpft, es ist spannender. In der Bundesliga wusste man meist vorher, wenn diese Mannschaft – etwa Mömbris – kommt, gewinnt man nur zwei Kämpfe. Der Zuschauerschnitt lag bei 250, in der Spitze bei 400.
Mehl: Wir hatten eigentlich mit einem deutlicheren Rückgang gerechnet. Von daher sind wir sehr zuversichtlich, dass sich das so hält. Klar gibt es ein paar, die der Bundesliga nachtrauern und ab und zu einen Weltmeister oder Olympiasieger sehen wollten. Aber auch da müssen wir daran arbeiten, dass die Zuschauer kommen, wenn möglich sogar mehr. Wir haben auch schon darüber gesprochen, wie wir das Rahmenprogramm attraktiver gestalten können. Das Schlagwort Event spielt eine immer größere Rolle – auch für uns. Darauf müssen wir reagieren. Man kann nicht immer nur sagen, es ist der Sport, der im Mittelpunkt steht und er ist das einzige, der zählt. Man sieht das ja, wenn in der Stadthalle eine Fight-Night ist. Da werden drumrum Autogrammstunden, Musik, Meet and Great etc. angeboten. Diese Entwicklung können wir nicht einfach ignorieren, um unsere Kämpfe für die Zuschauer attraktiv zu halten. Sachen, die für uns passen, wollen wir in ähnlicher Form auch bei uns machen.
Dürr: Die Beispiele haben wir ja vor der Haustür, mit den Coburger Handballern oder den Bamberger Basketballern, wo im wahrsten Sinne des Wortes ein Feuerwerk abgebrannt wird. Gut – das sind andere finanzielle Dimensionen als wir sie haben, nichtsdestotrotz können wir uns Sachen, die sich der Verein finaziell erlauben kann, aufzunehmen und fürs Ringen anzupassen.
Mehl: Es reicht aber nicht, nur gute Ideen zu haben, davon gibt es jede Menge. Man muss auch Leute haben, die das dann machen, die’s finanzieren und sich drum kümmern, dass es in der Halle funktioniert. Das kann der Vorstand nicht alleine. Die gesamte Vorstandschaft macht das als Hobby, jeder hat einen Beruf und zwickt sich die Zeit heraus. Und keiner arbeitet 40 Stunden für den Verein, um hintenraus ein Rahmenprogramm für den Verein zu haben. Wir sind schon mit den administrativen Aufgaben, die niemand sieht, beschäftigt.
Dürr: Unsere Aufgaben haben ja mit einem Sportverein – wie er landläufig bekannt ist – nichts mehr zu tun. Das ist ein mittelständisches Unternehmen, das wir führen. Wir haben unsere Angestellten, die Ringer, für die die gesamten sozialversicherungsrechtlichen Vorgaben zu erfüllen sind. Stundenlisten führen und abzeichnen lassen, den Mindestlohn einhalten, monatlich die Umsatzsteuer voranmelden, einen Finanzplan aufstellen und und und. Das hat mit einem Sportverein nichts mehr zu tun.
Mehl: Für unser Hausmeisterehepaar, das in Ruhestand geht, suchen wir jetzt Nachfolger. Das ist eine der Aufgaben, die uns jetzt erwartet. Oder die Auslastung der Halle verbessern. Das ist Oliver Dürr ja gelungen, die Berufsschule mit ihrem Sportunterricht bei uns unterzubringen. Das sind alles Sachen, die wir auch mitmachen. Wir sind froh, dass wir noch ein paar Leute zur Unterstützung dabei haben. Das ist eine Menge Aufwand, den letztlich niemand sieht. Die Zuschauer sehen nur die sieben Heimkämpfe im Herbst. Aber es ist das ganze Jahr etwas zu tun – und zwar gut zu tun.

Kommen wir auf’s Thema zurück, den Kader breiter aufzustellen. Sind schon Veränderungen in der Mannschaft bekannt?
Dürr: Eines ist klar. Es wird keinen Abgang geben. Die erste Mannschaft bleibt zusammen. Mit diversen möglichen Neuzugängen sind wir in Gesprächen, da ist aber noch nichts spruchreif.
Mehl: Mit einem Ringer für das Halbschwer- und Schwergewicht stehen wir kurz vor dem Vertragsabschluss, wollen aber vorab noch nichts an die Öffentlichkeit geben.
Dürr: 103 Kilo hat er, mehr verraten wir nicht.
Mehl: Optimal, um beide Gewichtsklassen, 98 und bis 130 Kilo, zu ringen. Aber auch für die 57- bzw. 61-Kilo-Klasse sind wir intensiv auf der Suche, um noch eine Alternative zu haben. Mario Petrov ist zwar ein sehr talentierter, aber noch unerfahrener junger Mann mit 16 Jahren. Es dauert noch, bis er bei den Männern voll mitmischen kann. Die Zeit wollen wir ihm auch geben.
Dürr: Erfahrung hat er sammeln können. Aber wir müssen uns so aufstellen, dass wir in einem engen Kampf noch ein Ass aus dem Ärmel ziehen können. Wir sind also auf der Suche nach einem Ringer mit am Besten 59 Kilo, der beide Klassen bestreiten kann. Wir haben in der Bayernliga jedoch – anders als in der Bundesliga – bis zu Saisonbeginn Zeit, die Mannschaft zu melden.
Mehl: Einfach ist es allerdings nicht, gute deutsche Nachwuchsringer zu finden. Die werden auch von den Bundesligaklubs umworben, teilweise mit Summen, die jenseits von Gut und Böse sind. Angeblich werden da ordentliche fünfstellige Beträge als Handgeld für einen Wechsel an die Ringer bezahlt.

Bleibt Ali Hadidi als Trainer?
Mehl: Ja. Ali hat es im letzten Jahr sehr viel Spaß gemacht, weil er gesehen hat, wie sich der Teamgeist entwickelt hat. Natürlich war auch er enttäuscht, dass der Aufstieg nicht gelungen ist, aber er ist mit Leidenschaft dabei. Die Ringer mögen ihn alle. Wir können uns keinen Grund vorstellen, auf dem Trainerposten einen Wechsel vorzunehmen.

Wie ist es um den Nachwuchs beim AC Lichtenfels bestellt? Gibt es Zulauf?
Dürr: Ja, Zulauf gibt es. Wir haben begonnen, verstärkt auf die Jugend zuzugehen. Das ist leider in den vergangenen Jahren aufgrund der Konzentration der Kräfte auf die Bundesliga etwas auf der Strecke geblieben. Die Jugend ist die langfristige Perspektive des Vereins, sonst können wir in ein paar Jahren den Verein zusperren. Aktuell haben wir 30 Kinder, die – aufgeteilt in die Bambini und Schüler – zweimal pro Woche trainieren. Die Kinder kommen über das Ferienprogramm mit einem Schnupperkurs zu uns, über das Kreisjugendringfest oder die Kindergärten. Die Kids werden spielerisch an die Sportart herangeführt.
Mehl: Die Jugendarbeit hat während der Bundesligazeit gelitten. Das haben wir erkannt. Ein Verein kann sich langfristig nur erhalten, wenn er regelmäßig Nachwuchs hat. Wir haben unter den 400 Mitgliedern einen Altersdurchschnitt von 45 Jahren, da kann man sich ausrechnen, wann der letzte hier zuschließt. Um zusätzlich Leute in den Verein zu bekommen, haben wir im Vorstand besprochen, dass wir eine Eltern-Kind-Gruppe gründen wollen, zu der Eltern mit ihren kleinen Kindern kommen können, nicht um zu ringen, sondern um Bewegungsübungen zu machen. Wir wollen die Einstiegsschwelle niedrig setzen. Und wenn keine Ringer dabei rauspurzeln, dann vielleicht Eltern oder andere junge Leute, die als Helfer, Kampfrichter oder sonst etwas mitarbeiten. Der Verein muss jünger werden, und das ist ein neues Angebot.

Gibt es dann auch genügend Trainer für die Jugend?
Dürr: Mit Rumen Savchev haben wir einen hervorragenden Mann für die Jugend. Er hat das Know-how und kann – aktuell als Dritter bei den bulgarischen Meisterschaft – den Jugendlichen viel beibringen. Seine Art kommt sehr gut an. Holger Reinhardt und Daniel Luptowicz machen das Bambini-Training für die Kinder bis acht Jahren.
Mehl: Hier haben wir eine gute Struktur reingebracht, nachdem wir in der Vergangenheit permanente Wechsel und Unklarheiten hatten, wer für was verantwortlich war. Das sind alles sehr engagierte Trainer. Das wird honoriert, deshalb ist auch der Zulauf da, und wir hoffen, dass sich das weiter herumspricht bzw. wir das durch weitere Aktionen von uns öffentlich machen. Viele Eltern sind ja heute froh, wenn ihre Kinder sich in geordneten Bahnen austoben können.

Der Rückzug des AC Lichtenfels vor zwei Jahren aus der Bundesliga scheint wohl der richtige Schritt gewesen zu sein, wenn man die Entwicklung dort ansieht: Rückzüge von Traditionsklubs wie Mömbris-Königshofen oder Luckenwalde, dazu der Dopingfall von Nendingen im Finale. Hat die Bundesliga aus Ihrer Sicht überhaupt noch eine Zukunft?
Mehl: In meinen Augen in der Form nicht. Es gab schon vor zwei, drei Jahren viele Diskussionen, als wir mit anderen Vereinen versucht haben, Neuerungen zu platzieren. Das ist aber an der Sturheit der Verantwortlichen gescheitert. Da hatte sich Stefan Heinlein, unser damaliger Vorsitzender, sehr engagiert. Aber es ist nichts Wesentliches dabei herausgekommen. Man sieht jetzt, dass so Traditionsvereine wie Luckenwalde oder Mömbris keine andere Möglichkeit mehr sehen, ihre Mannschaft zurückzuziehen. Ich glaube nicht, dass die Bundesliga noch länger als zwei Jahre Bestand hat. Sieht man die Diskussion um das Finale, wo der DRB nun beschlossen hat, dass es nur noch einen Finalkampf geben soll und der in Aschaffenburg staffindet und nicht mehr mit Hin- und Rückkampf bei den beteiligten Vereinen, führt dazu, dass die Klubs einen riesigen Einnahmeausfall haben. Das kommt bei uns als unausgegorener Aktionismus an. Der Verband versucht noch hektisch irgendetwas zu machen, um das sinkende Schiff noch zu retten. Ich bin aber überzeugt, dass es nicht mehr zu retten ist. Es stehen ja weitere Vereine auf der Kippe. Diese Saison werden sicher ein oder zwei Vereine nicht überleben, und das war’s dann wohl. In der Form wird das keinen Bestand haben.

Ist vor diesem Hintergrund das langfristige Ziel des ACL, zweite Liga, überhaupt noch erstrebenswert?
Mehl: Ja, ich denke schon. Die Frage wird sein, wie sich das Gefüge Bundesliga überhaupt entwickelt. Ich glaube nicht, dass die zweite Liga unverändert bleiben kann, wenn die Bundesliga endgültig an die Wand gefahren ist. Das hängt ja miteinander zusammen. Man muss ein tragfähige Konstrukt finden, für eine zukünftige erste Liga und den Unterbau. Und da ist es schon unser Ziel, wieder mit dabei zu sein. Kleinere Vereine müssen von den Einnahmen profitieren können und dürfen nicht davon abhängig sein, wie Nendingen eine halbe oder dreiviertel Million einsammeln zu müssen. Das ist für kleinere Klubs ohne zusätzliche Werbeeinnahmen nicht zu stemmen. Bis Ringen wieder einmal im Fernsehen kommt, fließt noch viel Wasser den Main hinunter. Wenn es ein vernünftiges Konzept gibt, von den zehn bis 15 Vereine dauerhaft leben können, ist es für uns auch wieder erstrebenswert.
Dürr: Vielleicht ist ein komplettes Umdenken seitens des DRB nötig. Eine feine Geschichte wäre eine Bundesländer-Liga. So dürften etwa aus der höchsten Liga aus Bayern die ersten Beiden oder nur der Erste mit den Besten aus den anderen Bundesländern um die deutsche Meisterschaft ringen. Das hätte den Vorteil, dass es bei einem vernünftigen Budget zu vielen lokalen Duellen in der Liga käme und man dann in ein Achtelfinale einsteigt.
Mehl: Der Vorschlag ist schon seit geraumer Zeit auf dem Tisch. Unser Eindruck ist aber, dass sich im Präsidium des DRB keiner ernsthaft damit auseinander gesetzt hat.

Das Gespräch führte unser Redaktionsmitglied Udo Schilling  (www.infranken.de)

Die Ligen in Bayern sind eingeteilt

Die Ligen- und Termineinteilung im Bayerischen Ringer-Verband (BRV) für die Wettkampfsaison 2016 steht fest. Erfreulich sei, so Ligenreferent Florian Geiger, dass heuer mehr Meldungen als erwartet für die Gruppenligen vorhanden seien. „Wir verspüren zum ersten Mal wieder einen Aufwärtstrend bei den Mannschaften und Vereinen.“ Geiger führt dies auf die vor zwei Jahren veränderte Ligenstruktur zurück, als die Bezirksligen in Gruppenligen bzw. Gruppenoberligen umgestaltet wurden. „Für die Dreiteilung der Gruppenliga haben wir uns entschieden, um den leistungsschwächsten Vereinen nicht 18 Kampftage zumuten zu müssen. Das ist ein weiterer entscheidender Vorteil, weshalb es sinnvoll ist, die unteren Ligen, weg von der Verantwortung der Bezirke, auch unter die Regie des Verbandes zu stellen“, so Geiger weiter. Zusammen mit dem BRV-Vizepräsidenten Sport, Erich Stanglmaier, teilte der Ligenreferent die Teams in drei Gruppen ein.

„Aufstieg“ für AC Lichtenfels II

Ein Fehler unterlief den BRV-Machern. Der TV Unterdürrbach II wurde in die Gruppenoberliga Nord eingeteilt, obwohl die Unterfranken gar keine zweite Mannschaft gemeldet hatten. Der AC Lichtenfels wurde nun gebeten, den Platz des TVU einzunehmen. „Für unsere ,Zweite“ ist es gut, wenn sie auf höherem Niveau ringen kann”, sagte Vorsitzender Oliver Dürr und kommentierte den unverhofften „Aufstieg“ mit einem Schmunzeln. In der neuen Liga gibt es dann Derbys mit den Reserven aus Burgebrach und Hof.

Zella-Mehlis ringt in Bayern

Mit dem Team Zella-Mehlis aus Thüringen nimmt dieses Jahr eine Gastmannschaft in der Gruppenliga Nord teil. Das wurde durch den Verbandsausschuss in Würzburg so beschlossen. In Thüringen gibt es keinen vergleichbaren Ligenbetrieb. Zella-Mehlis orientiert sich daher Richtung Bayern. Ligenreferent Florian Geiger wies allerdings darauf hin, dass Zella-Mehlis maximal bis zur Gruppenoberliga Nord aufsteigen könne.