Durch „Ringen mit Herz“ in die Bundesliga

AC Lichtenfels deklassiert im Aufstiegs-Rückkampf den SC Anger mit 28:5 und wird Bayerischer Mannschaftsmeister

Da ist das Ding! Der Lichtenfelser Trainer Venelin Venkov erhält vom Präsidenten des Deutschen Ringerbundes Manfred Werner den Siegerpokal!

 

Die Lichtenfelser AC-Ringer bedanken sich bei den Fans für die tolle Unterstützung!

Die Bundesliga hat ihn wieder, den AC Lichtenfels! Mit einem in dieser Höhe nie erwarteten 28:5-Sieg machten die heimischen Ringer gegen den Oberliga-Süd-Meister SC Anger die 12:19-Hinkampfniederlage mehr als wett und sicherten sich damit den neu eingeführten Titel des Bayerischen Mannschaftsmeisters sowie den Aufstieg in die Bundesliga.

An diesem verpflichtenden Gang ins Ringer-Oberhaus scheiden sich die Geister bekanntermaßen seit Jahren. Mit freiwilligen Rückzügen, absichtlich schwachen Aufstellungen und daraus resultierend „geplanten“ Niederlagen versuchen viele Vereine seit geraumer Zeit, die sportlich, organisatorisch und wirtschaftlich nicht zwingend reizvolle Eliteliga zu umgehen.

So vermutlich auch der SC Anger. Dessen Abteilungsleiter Reinhard Hogger, ein nachweislich besonnener und aufrichtiger Mann, erklärte in das sich abzeichnende Debakel hinein: „Wir wussten vorher, dass wir beim Rückkampf durch den Stilartwechsel schwächer stehen würden. Dazu kamen Verletzungen, Krankheitsfälle und berufliche Verpflichtungen, wie etwa bei unserem
ungarischen Schwergewichtler. Aber man muss auch sagen, dass das „Gesamtpaket Bundesliga“ für uns derzeit einfach nicht stimmen würde. Das fängt bei einem Durchschnittsalter unserer Sportler von 20 Jahren an und hört am Ende bei unserer exponierten geografischen Lage auf. Doch klar: Eine Niederlage in dieser Höhe hatten wir nicht gewollt.“

Anders der ACL: „Der Aufstieg hat zwar für uns nicht oberste Priorität“, beschrieb Mannschaftsführer Heiko Scherer bereits im Vorfeld die Überlegungen seines Vereins, „aber – und da herrscht totale Einigkeit zwischen Vorstandschaft und Sportlern – vorsätzlich verhindert wird er nicht. – Möge der Bessere gewinnen. Und wenn wir es sind, dann ist es so.“

Wer der klar Bessere an diesem Kampfabend sein würde, zeichnete sich früh ab: Demonstration der hohen greco-Kunst durch Joszef Andrasi (ACL, 57 Kilo) mit 20:4-Führung samt Schultersieg, danach technische Überlegenheit von Christoph Meixner (130 Kilo, Freistil), der sein ganzes Kämpferherz auf der Matte ließ und kurz vor Ultimo tatsächlich seine 15 Wertungspunkte
zusammengekratzt hatte – virtuell war der ACL bereits nach dem zweiten Duell erstmals in der Bundesliga, da mit dem 8:0-Zwischenresultat der Gesamtrückstand schon aufgeholt war.

„Wir ringen mit Herz!“, hatte auch ACL-Trainer Venelin Venkov zuvor in seiner Kabinen-Mannschaftsbesprechung als Motto vorgegeben, und ein eigenes Motivationsvideo der sportlichen Leitung beim Einmarsch tat vielleicht ein Übriges.

So änderten selbst die beiden einzigen Lichtenfelser Niederlagen von David Korsunov (61 Kilo, Freistil, auf Schulter gegen Lorenz Hagelauer) und von Johannes Lurz (75 Kilo, Freistil, 1:3 gegen Matthias Eckart) nichts mehr an der eingeschlagenen Richtung des Abends. 

Fokussiert und konzentriert warfen sich die AC-Ringer in ihre Duelle: Prima zu sehen etwa bei Dominik Sohn (71 Kilo, Freistil), der bis zur letzten Sekunde alles versuchte, um seinen 10:3-Vorsprung gegen Daniel Wimmer noch irgendwie zu erhöhen, um nicht nur zwei, sondern drei Mannschaftspunkte zu ergattern. Oder auch bei Christian Lurz (66 Kilo, griechisch-römisch): Der
marschierte so entschlossen vorwärts, als käme er aus dem Höhentrainingslager und nicht aus einer sechswöchigen Verletzungspause zurück. Sein Resultat: 16:0 nach gut zwei Minuten gegen Franz Fröhlich.

Schon auf der Waage hatte Alexander Ender (86 Kilo, Freistil) die Punkte in der Tasche, weil Benedikt Argstatter das Gewichtslimit überschritt.  

Von den ACL-griechisch-Punktegaranten Achim Thumshirn (80 Kilo, 16:0 gegen Michael Klouceck), Rumen Savchev (75 Kilo, Schultersieg über Franz Kern) und Hannes Wagner (98 Kilo) musste sich nur Letzterer durchwegs plagen, weil der junge und flinke Simon Öllinger sich immer wieder den Griffansätzen des amtierenden Deutschen Meisters entzog.

Am Ende erfüllte reine Freude den mit 500 Fans gut gefüllten Stimmungstempel AC-Halle, wo nach den Jahren 2009 bis 2014 ab September wieder Erstligaringen präsentiert werden wird. Und den einen, nachdrücklichen Wunsch von Trainer Venelin Venkov teilten dann irgendwie alle beim ACL: „Wir wünschen und hoffen, dass wir in der nächsten Saison in der neuen Liga
genauso viel Unterstützung erfahren. Wir werden sie brauchen.“ 

-cv-

 

Die Würdigung der Mannschaft an ihren Trainer Venelin Venkov: er lebe hoch!

Stimmen zum Kampf:

Manfred Werner (Präsident des Deutschen Ringerbundes): „Der ACL hat eine richtig gute Mischung in seiner Mannschaft.“

Britta Beier (1.Vorsitzende des ACL): Ich freue mich so sehr. Die Ringer und die sportlichen Leitung haben es sich verdient, weil sie eine perfekte Saison mit einem tollen sportlichen Ab-schluss gekrönt haben.“

Christoph Meixner (ACL-Mannschaftskapitän): „Eine super Teamleistung von uns. Und diese tobenden Zuschauer, das merkst du als Ringer und das trägt dich sehr.“

Hannes Wagner (amtierender Deutscher Meister): „Klar: Sieben Punkte Rückstand sind nicht wenig. Aber ich meine, wir hätten mit unserer starken Aufstellung vielleicht auch eine Angerer Mannschaft in Bestbesetzung gepackt.“