Deutsche Meisterschaft Freistil

Generation 2020 ist bereits in den Startlöchern

Freiburg – Nach 2014 trafen sich die Ringer erneut im südbadischen Freiburg, wo am vergangenen Wochenende die Deutschen Meister der Männer im Freistil ermittelt wurden, aber auch die Frauen um die Titel und Medaillen kämpften.

Bei den Deutschen Meisterschaften der Frauen in Freiburg waren die Blicke der etwa 500 Zuschauer am Samstag vor allem auf Aline Focken (69 kg) gerichtet. Die Ringerin vom KSV Krefeld hatte sich 2014 in Taschkent (UZB) den Weltmeistertitel erkämpft, ein Jahr später gewann Aline Focken in Las Vegas (USA) die Bronzemedaille und sicherte sich damit frühzeitig ihre Fahrkarte zu den Olympischen Spielen nach Rio.
In Deutschland ist Aline Focken unumstrittene Nummer eins und das zeigte die Ringerin auch bei den Titelkämpfen in Freiburg, wo sie ihren Titel souverän verteidigte. Gegen Beate König (TSV Ehningen), Melina Baudendiestel (SV Weingarten), Kim Riesterer (SV Freiburg-Haslach) und Franziska Berger (SV Luftfahrt Berlin) feierte Aline Focken vorzeitige Siege und wurde Deutsche Meisterin,  ohne auch nur einen einzigen Wertungspunkt abzugeben.

„Da die drei weiteren, deutschen Olympiateilnehmerinnen für Rio 2016, Nina Hemmer (53 kg/AC Ückerath), Luisa Niemesch (59 kg/SV Weingarten) und Maria Selmaier (75 kg/KSC Motor Jena) erst vor wenigen Wochen bei den Olympia-Qualifikationsturnieren ihre Tickets nach Rio lösten“, haben wir ihnen vor der unmittelbaren Olympiavorbereitung noch einmal eine kleine Auszeit gegeben“, entschuldigte Frauen-Bundestrainer Patrick Loes das Fehlen der 3 Olympioniken aus dem Frauenteam.

So sicherte sich im schwersten Limit bis 75 kg Anna Schell (RLZ Aschaffenburg) ihren ersten Titel bei den Frauen. Nach souveränen Vorrundenduellen lieferte sich die Vize-Europameisterin der U-23 aus Aschaffenburg, mit Francy Rädelt (RSV Hansa 90 Frankfurt(O.) einen harten Kampf um den Titel, den Anna Schell in der Schlussphase nach einem Fehler der Oderstädterin gewann. Souverän zog auch Luzie Manzke (63 kg/RSV Hansa 90 Frankfurt/O.) ins Finale ein, genauso wie Viviane Herda (KSV Witten). Nach einer Schulterverletzung wurde die Ringerin aus Witten vorsorglich aus dem Rennen genommen und so gewann Luzie Manzke das Finale kampflos und feierte damit ihren ersten Deutschen Meistertitel in dieser Altersklasse.
Laura Mertens (58 kg/AC Ückerath) konnte ihren Titel aus dem Vorjahr verteidigen, im Finalduell bezwang sie die noch junge Debora Lawnitzak vom SV Luftfahrt Berlin mit technischer Überlegenheit 10:0. Für Katharina Baumgartner (48 kg/SC Anger) ist Freiburg ein gutes Pflaster, nach 2014 stand die junge Ringerdame vom SC Anger zum zweiten Mal bei den Frauen auf dem obersten Treppchen. Sandra Paruszewski (53 kg/AV Sulgen) bezwang im Finale Annika Wendle (ASV Altenheim) und sicherte sich ihren ersten Meistertitel bei den Frauen, in dieser Gewichtsklasse.

„Das Feld der Teilnehmerinnen ordnet sich für den kommenden Olympiazyklus gerade neu, es war sozusagen eine ‚erweiterte Juniorenmeisterschaft‘ mit vielen Talenten, die es bis 2020 zu entwickeln gilt“, so Frauen-Bundestrainer Patrick Loes, der sich trotz geringer Teilnehmerzahl mit der Qualität der Kämpfe bei den Frauen zufrieden zeigte.

Auch bei den Männern waren die Kämpfe von Spannung- ja Dramatik geprägt, wobei es einige überraschende Ergebnisse gab. Zwar setzten sich mit Marcel Ewald (57 kg/KSV Ispringen), Martin Obst (74 kg/1. Luckenwalder SC) und Michael Kaufmehl (86 kg/KSV Ispringen) die Favoriten in diesen Gewichtsklassen durch, doch spürten die alten- und neuen Titelträger schon den heißen Atem der ‚Jungen Wilden‘ im Nacken.

Marcel Ewald (57 kg/KSV Ispringen) gewann bei den Deutschen Meisterschaften der Männer in Freiburg seinen 7. Titel. Nach 5 Siegen stand der 33-jährige Routinier auf dem obersten Treppchen, dabei kurierte er vergangene Woche noch eine Erkältung aus und es stand bis kurz vor dem Wiegen am Freitagabend die Frage, ob er überhaupt an den Titelkämpfen teilnehmen kann. „Aber so bin ich eben, wollte unbedingt mitkämpfen und mit den Titel holen“, freute sich Marcel Ewald über seinen 7. Titel genauso wie über den ersten. Nach seinem Rücktritt von der internationalen Bühne will Marcel Ewald auf nationaler Ebene weiterkämpfen und peilt insgesamt 10 deutsche Meistertitel an.

Im schwersten Limit war es Nick Matuhin (125 kg/1. Luckenwalder SC), der in Freiburg souverän seinen 5. Meistertitel erkämpfte. Die Freistilringer vom 1. Luckenwalder SC aus Brandenburg glänzten mit einem weiteren Titel, den Martin Obst (74 kg) erkämpfte, der damit seinen Titel aus dem Vorjahr genauso verteidigte, wie Kevin Henkel (65 kg) vom TSV Dewangen, Michael Kaufmehl (86 kg/KSV Ispringen), Gabriel Seregelyi (97 kg/AC Goldbach) und Manuel Wolfer (61 kg/RG Hausen-Zell).
Kubilay Cakici (70 kg/RWG Mömbris-Königshofen) katapultierte sich mit sehenswerten Kämpfen erstmals bei den Männern auf das oberste Treppchen. Im Viertelfinale lieferte sich Cakici mit Samet Dülger (AC Mühlheim) einen Kampf, der die etwa 500 Zuschauer in der Sepp Genser-Halle mit der Zunge schnalzen ließ. Das vorgezogene Finale gewann Cakici mit 8:2 Punkten und stieß damit die Tür zum Titel weit auf. Im Finale hielt der Luckenwalder Lennard Wickel lange Zeit gut mit, doch Kubilay Cakici punktete mit schnellen Beinangriffen und holte damit die Goldmedaille.

Es knisterte förmlich in der Freiburger Sporthalle, als sich Gabriel Seregelyi (97 kg/AC Goldbach) und Erik Thiele (KFC Leipzig) im Finalduell gegenüber standen. Seregelyi entschied das Duell gegen den aus dem Sachsen-Anhaltinischen Braunsbedra stammenden Hoffnungsträger mit einem Beinangriff, kurz vor Kampfende zum knappen 3:2-Sieg.
Nicht zuletzt war es der südbadische Lokalmatador Manuel Wolfer (61 kg/RG Hausen-Zell), der im letzten Finalduell gegen den Ex-Luckenwalder Philipp Herzog, der in Freiburg für den FC Erzgebirge Aue antrat, viel Wiederstand brechen musste, ehe er zum Sieger erklärt wurde.

Ich bin überrascht, wie hier unsere jungen Ringer gekämpft haben, es gab viele spannende- und knappe Duelle“, sieht DRB-Vizepräsident Günter Maienschein die Generation 2020 gut aufgestellt.
Dem schloss sich auch Freistil-Bundestrainer Sven Thiele an; „… es haben sich einige junge Ringer wie Manuel Wolfer, Gennadi Cudinovic, Kubilay Cakici, oder Erik Thiele mit guten Leistungen empfohlen, damit haben wir mit gestandenen Ringern wie Martin Obst, oder Michael Kaufmehl eine gute Mischung für den Start in den neuen Olympiazyklus zusammen.

Hallensprecher Thomas Eigenbrodt, der mit Sachkenntnis und einem Schuss Humor durch die beiden Wettkampftage führte, sprach allen Aktiven und Funktionären – aber auch den Zuschauern und Kampfrichtern aus dem herzen, als er sich für die tatellos durchgeführten Meisterschaften beim Ausrichter RKG Freiburg 2000 bedankte. Alles war bestens organisiert und die Meisterschaften verliefen reibungslos.

Jörg Richter